Der erste Schulthek – mehr Wahl statt Qual

Die Vielfalt an Schultheks oder -rucksäcken ist enorm, da kann die Wahl schnell zur Qual werden. Woran Eltern denken müssen, wenn es darum geht, den ersten Schulthek für ihr Kind zu finden, weiss Kristin Andres als Produktmanagerin  bei FUNKI wie keine Zweite. Der Schweizer Anbieter eruiert in Workshops und Umfragen mit Eltern und Lehrpersonen, wie die Schulrucksäcke optimiert und den aktuellen Anforderungen angepasst werden können.

Frau Andres, vor zwanzig, dreissig Jahren gab es eine geringere Auswahl an Schultheks. Heute ist das Angebot vielfältiger. Für einen Schuleinsteiger: empfehlen Sie hier eher einen Thek oder einen Rucksack?

Seit einigen Jahren verlagert sich die Tendenz zum Schulrucksack. Dieser liegt im Vergleich zum klassischen Thek oft besser am Rücken und ist doch stabiler als ein herkömmlicher Rucksack. Daher empfehlen wir für Schuleinsteiger einen gut verarbeiteten Schulrucksack.

Auf der Strasse sieht man häufig Kinder mit einem  normalen Rucksack. Welches sind die Unterschiede zu einem Schulrucksack?

Der Hauptunterschied liegt sicherlich auf der gesamten Ergonomie und dem Tragekomfort, auf den beim Schulrucksack mehr Wert gelegt wird. Aber auch die Stabilität des Bodens und das Innenleben unterscheiden sich meist von einem «normalen» Rucksack: So bieten Schulrucksäcke oft einen separaten Platz für Snacks, Getränke, Ersatz- oder Wechselkleidung oder weisen Fächerunterteilungen für Bücher und Hefte auf. Einige Modelle haben sogar einen integrierten Regenschutz, Thermofächer oder austauschbare Frontabdeckungen.

Können Rückenschäden durch eine falsche Passform entstehen?

Wir tauschen uns seit vielen Jahren mit einer Praxis für Physiotherapie aus. Laut Physiotherapeuten tragen die heutigen Schulkinder einen Schulrucksack zu kurz, als dass dieser merkbare oder gar irreparable Rückenschäden verursachen könnte. Ein Rucksack, der unangenehm auf die Wirbelsäule drückt, beim Rennen und Springen in den Rücken schlägt, einschneidet und von den Schultern rutscht, ist jedoch unangenehm zu tragen. Fühlt das Kind täglich Druckstellen, weil ein vielleicht schwer beladener Schulsack nicht richtig sitzt, kann es vorkommen, dass es sich in eine Fehlhaltung begibt. Ob dies später zu Fehlstellungen führt, lässt sich allerdings kaum eruieren.

Die Preisspannen für einen Schulrucksack sind ziemlich gross. Mit welchen Kosten sollten Eltern rechnen, damit sie einen für das Kind geeigneten Thek bekommen?

Ab ca. 100 Franken erhalten sie bereits einen einfachen, aber dennoch qualitativ hochwertigen Schulrucksack. Wer ein Set mit Etui und Turnbeutel oder weiteren Features sucht, sollte mit 200 bis 300 Franken rechnen.

Aus diversen Gründen könnte man einen  Secondhand-Schulthek oder -rucksack kaufen wollen.

Worauf sollte man beim Kauf achten?

Wir stellen fest, dass Eltern ihrem Kind für den Schulstart oft einen neuen Schulthek oder -rucksack schenken möchten, weil dieser doch ein relativ bedeutender Schritt im Leben des Kindes und der Eltern darstellt. Dem Schulrucksack kommt somit auch eine symbolische Rolle zu. Wurde aber Sorge getragen, das heisst ist die Polsterung noch in Ordnung und alle Träger intakt, spricht nichts gegen einen bereits gebrauchten Schulrucksack.

Wie lange kann ein Schulthek verwendet werden?

Meist wird er bis zur 3 /4. Klasse genutzt und ist irgendwann nicht mehr «cool» genug. Ein Wechseldesign kann hier dazu beitragen, dass der Schulrucksack dem Kind nicht so schnell verleidet. So kann es das kindliche Motiv, für welches es zwar vor dem Schuleintritt noch geschwärmt hat, durch ein neutraleres, jugendlicheres Design austauschen.

Wie können sich Eltern auf den Kauf eines Schultheks vorbereiten?

Die Eltern sollten sich rechtzeitig umschauen und Eltern von älteren Kindern nach ihren Erfahrungen fragen. Recherchieren im Internet und sich von einem Fachhändler eingehend beraten lassen, macht auf jeden Fall Sinn. Wichtig ist, dass das Kind das jeweilige Modell probetragen kann, auch wenn das gewünschte Motiv vielleicht gerade nicht vor Ort im Regal steht. Zudem sollte der Fachhändler zeigen, wie man den jeweiligen Schulthek optimal auf die Grösse des Kindes einstellt und welche Besonderheiten das jeweilige Modell mit sich bringt. Es empfiehlt sich, diverse Modelle zu vergleichen und dann in aller Ruhe zu entscheiden.

Können Sie den Kauf eines Schultheks oder -rucksacks online empfehlen?

Das Anprobieren und Probetragen erachten wir als sehr sinnvoll, was für den Besuch beim Fachhändler spricht. Nur so kann man sicherstellen, dass die Grösse und Passform optimal auf das Kind abgestimmt sind.

Inwiefern kann das Kind in den Kauf miteinbezogen werden?

Ich würde ihm die Auswahl des Motivs überlassen. Es wird sich damit täglich unter seinesgleichen bewegen und soll sich damit wohlfühlen und identifizieren können. Da ein Kind die Bedeutung von Sitz und Tragekomfort sowie Ergonomie oder Platzbedarf kaum einschätzen kann, ist die Wahl des Modells eher Elternsache.

Welchen Einfluss hat der Lehrplan 21 auf den Kauf des Schultheks oder -rucksacks?

Der Lehrplan 21 ist für viele Eltern noch schwer greifbar. In einigen Kantonen wurde er bereits eingeführt, in anderen noch nicht. Der Umgang mit dem Thema Hausaufgaben wird zwar durch den Lehrplan 21 nicht vorgeschrieben, jedoch haben viele Schulen mit der Einführung des Lehrplans 21 die «klassischen» Hausaufgaben stark reduziert oder durch betreute Arbeitszeiten an den Schulen ersetzt. Solche Entscheide haben auch Einfluss auf die Menge an Material, welches im Schulrucksack transportiert werden muss und somit auf dessen ideale Grösse.

Sie entwickeln Ihre Schulrucksäcke mit Unterstützung  von Eltern und Lehrern weiter. Welches Produkt wurde beispielsweise so erstellt?

Im letzten Jahr haben wir den Slim-Bag eingeführt. Besonders durch die Inputs, die wir erhalten haben, ist er etwas schlanker als die meisten anderen Schulrucksäcke und wird somit dem abnehmenden Platzbedarf gerecht. Auch die Muster kommen reduzierter und moderner daher und sollen damit dem Bedürfnis nach einem weniger «kindlichen» Schulrucksack gerecht werden. Immer wieder wurde auch der Wunsch nach einem Schulrucksack im Einzelverkauf (ohne passendes Etui und Turnbeutel) an uns herangetragen. Deshalb bieten wir den Slim-Bag nicht im Set an. Ein passendes Etui kann jedoch separat dazu gekauft werden.  ++

 

Tipps zum Kauf des  neuen Schulrucksacks:

Erkundigen Sie sich vor dem Kauf über Marken, Modelle, Tragekomfort etc.

Holen Sie Meinungen von Fachberatern und /oder anderen Eltern ein.

Beziehen Sie Ihr Kind bei der Motiv- und Farbwahl ein, empfehlen Sie allenfalls ein Modell mit Wechseldesign.

Beim Kauf achten Sie besonders auf den Tragekomfort, Materialien und die Einstellbarkeit der Träger.

Lassen Sie sich vom Fachberater zeigen, wie der Schulrucksack optimal an die Grösse des Kindes angepasst wird.

 

Kristin Andres,

Mutter und Produktmanagerin FUNKI,  bei Simplex AG in Bern

 

Text: Nadja Rohrer

Bilder: ZVG

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