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Tatschskrien
Diesmal muss ich ein ziemlich «heisses Eisen» angreifen: Thema «Medienkompetenz»! Dieses top angesagte Schlagwort wird aktuell an allen Ecken und Enden freudestrahlend verkauft. Na gut, sei´s drum! Allerdings: Meinem schlichten Gemüt, das ja andauernd nur auf dieses gar seltsame, kindgerechte Denken ausgerichtet ist, eröffnet sich bei all den Verkaufsargumenten nicht annähernd genug Grund zur Freude!

Warum das so ist, wird gleich klar wie Sauermilch! Wir schauen nämlich mal kurz bei Gregor, einem zwölfjährigen Computer-Nerd aus Zürich vorbei …

Elektronischer Notfall                                                                                                                                                    

«Helfen Sie uns bitte!», fleht Susanne, Gregors Mutter, …unser Sohn kann sich überhaupt nicht mehr vom Computer trennen! Drei Bildschirme hat er schon auf seinem Schreibtisch herumstehen. Vor seinem Gesicht hängt ein riesiges Mikrophon! Seine ebenfalls überdimensionalen Kopfhörer hat er sowieso immer auf und spielt bis tief in die Nacht hinein im Internet! ‹Zocken› nennt er das! Wenn es uns dann einmal reicht und wir das Internet von unten aus abschalten, knallt er die Türe zu und daddelt munter auf seinem Smartphone weiter. Oft wartet er damit sogar, bis wir eingeschlafen sind! Keine Chance, ihn lückenlos zu überwachen. Wie bekommen wir das in den Griff? Wir haben doch ohnehin nach Kräften versucht, ihm so früh als möglich einen gesunden Umgang mit den elektronischen Medien zu ermöglichen!»

Noch gesund?

Aha! Da haben wir es! «Gesunder Umgang» also! Dass hier aber sowieso nix mehr mit Gesundheit ist, wird mir klar, als ich den lieben Gregor zum ersten Mal interviewen darf. Meine Frage nach Alternativen zum Zocken beantwortet der gute Junge so: «Na, ich weiss doch nicht, was ich sonst machen soll!» Autsch! So etwas aus Kindermund zu hören, ist schon ein wenig deprimierend! Aber: Willkommen auf dem neuen Planeten der Kinder; diesen Satz höre ich bei Bildschirmabhängigen Kids in letzter Zeit immer öfters. Deswegen will ich von Mama Susanne noch eine wichtige Information: «Wann haben Sie Gregor eigentlich sein erstes Tabletten-Daddel-Ding gekauft?» Die Antwort überrascht mich kein bisschen: «Mit fünf Jahren!»

Kein Zufall

So! Genug gehört, euer Ehren! Verhandlung geschlossen! Wie gesagt, klar wie die sauerste Milch am Hof (die es übrigens schon erschreckend selten gibt): Gregor ist ein schwerer Fall von Flät-Skrien-Junkie! Anders gesagt: Ein Süchtiger. Kein Einzelfall klarerweise, weil natürlich alle auf Computern basierenden Freizeitbeschäftigungen dieser Welt so fies programmiert sind, dass man möglichst rasch davon abhängig wird. Daraus ergibt sich klarerweise die hohe Gefahr einer Verhaltenssucht, die – was leider die wenigsten Eltern wissen – nicht minder gefährlich ist, als eine Substanzen-bezogene Sucht. Kein Zufall also, das ganze globale Dilemma! Die gute Frage ist dennoch: Warum gibt es in Schweizer Kinderzimmern so erschreckend viele computersüchtige Jugendliche, wo die gesamte Fachwelt doch gerade so dermassen durchdacht an einer möglichst frühen Medienkompetenz unserer Kinder bastelt und uns diese Errungenschaft, wie gesagt, andauernd freudestrahlend verkauft? Antwort: Weil die frühe Verabreichung von Suchtmitteln nicht kompetenter, sondern schlichtweg früher süchtig macht! Punktum!

Harte Vergleiche

«Ja, ja!», wird manch einer denken, «das ist doch bloss die Erkenntnis eines ziemlich schlichten, etwas zu kindlichen Gemüts!» Mitnichten! Auch gescheitere Leute als ich selbst es bin, wandeln schon auf diesem Erkenntnis-Pfad. Beispielsweise der bekannte deutsche Hirnforscher und Bestseller- Autor Manfred Spitzer. In seinem aktuellen Werk «Cyberkrank» stellt er sogar Vergleiche mit harten Drogen an und wartet dazu mit wissenschaftlich bestens fundierter Recherchearbeit auf. Ich empfehle diese Lektüre übrigens gleichermassen dringend, wie von Herzen. Ich selber bringe es vielleicht lieber mit einer süss-sauren Metapher auf den Punkt: Stellen Sie sich, liebe Familien- SPICK-Freunde, doch einmal vor, Sie hätten ein Kleinstkind, das Sie gleich beim Umstieg auf feste Nahrung Tag für Tag mit kleinen Portionen Gummibärchen versorgen, damit es sich schön wohl fühlt in seiner neuen, ultra-süssen Welt. Was denken, Sie: Wird dieser kleine Fratz später als Jugendlicher mit dem bunten chemischen Zeug wohl «kompetent» umgehen? Wird er es bei seinen «kleinen Portionen» belassen? Oder wird dieses arme Wesen dann schlichtweg zu einem menschlichen Gummi & Zucker- Staubsauger mutiert sein? Soweit, so klar, oder?

High-Tech-Pflicht

Diese Sichtweise scheint im Fall der «unerlässlichen» High- Tech-Medien aber kaum jemand zu interessieren. Das erkennt man sehr gut in der Bildungslandschaft: Immer mehr Schweizer Schulen verpflichten Kinder dazu, ihre Hausaufgaben nicht mehr per furchtbar altmodischem Papier zu erlesen und händisch zu schreiben, sondern komplett via Internet und neumodischer Tippserei zu erledigen. Dafür kaufen öffentliche Bildungseinrichtungen sogar massenhaft Elektronik-Schrott ein. Medienkompetenz muss man halt haben! Echt? Muss man das? Ich hatte immer gedacht, Lebenskompetenz müsse man zuerst und vor allem haben. Die aber erwirbt man nie und nimmer an Bildschirmen! Auch dann nicht, wenn man Tatsch-Skrien und Co. noch so «kompetent» nutzt! Man erwirbt diese Kompetenz ausschliesslich im möglichst häufigen und intensiven Austausch mit Menschen. Am besten mit geliebten oder zumindest geachteten Bezugspersonen, Lehrer inklusive. Tauschen Sie sich also gleich ab heute noch intensiver und mit noch mehr Eigen-Begeisterung als bisher mit Ihrem Kind aus und entdecken Sie anstelle von neuen High-Tech Ausrüstungen manch eine neue, wundersame Gemeinsamkeit! Sie werden es mögen!

 

Tipps

++Sie möchten gerne, dass Ihr Kind «medien-kompetent» agiert? Beobachten Sie bitte künftig ihr eigenes Nutzungsverhalten von Smart-Phone, Tablet und Co.

++Zeigen Sie Ihrem Kind, wie sparsam Sie selbst Ihre Geräte nutzen können.

++Vermitteln Sie, dass elektronische Medien auch für Sie selbst nur Lebens-Hilfen und keine Lebens-Inhalte darstellen.

++Bieten Sie Ihrem Kind «begeisternde Freizeit-Alternativen». Starten Sie ein gemeinsames Hobby, das Sie und Ihr Kind gleichermassen erfüllt.

++Achten Sie darauf, ob Ihr Kind auch andere Beschäftigung noch interessant genug finden kann. Suchtalarm ist angesagt, wenn sonst nichts Anderes mehr von Interesse ist.

++Dauerkontrolle bei der Nutzung ist auch nicht die ultimative Lösung! «Dauervertrauen» hat deutlich mehr Erfolgschancen.

 

(Erstellt von Gerhard Spitzer)

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