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Spielen ist ein wichtiges Grundbedürfnis  von Kindern. Während man früher mit dem spielen musste, was eben gerade zur Hand war, ist heute eine ganze Industrie damit beschäftigt, den Kindern immer neues Spielzeug zu liefern. Vieles davon ist nicht  dafür angelegt, mehr Naturnähe zu schaffen – im Gegenteil.

Wer etwas herstellt, möchte gleichzeitig dafür sorgen, dass ein kontinuierlicher Bedarf danach geweckt wird. Die Spielzeugindustrie hat das verinnerlicht wie kaum eine andere. In einem durchschnittlichen Regal findet sich zum überwiegenden Teil Spielzeug, das etwas Bestehendes ergänzt. Die Barbie braucht Kleider, ein Auto, Möbel. Das Playmobil-Krankenhaus braucht ein Ambulanzfahrzeug. Der Bausatz braucht einen Anbau und so weiter und so fort. Verkauft werden heute nicht mehr einfach einzelne Spielzeuge, sondern ganze Universen beziehungsweise der Start zu einem solchen.

Keine Fantasie gefragt

Was hat das mit der Naturbeziehung zu Kindern zu tun? Ganz einfach: Die meisten dieser «Aufbau-Systeme» sind für den Einsatz im Haus gedacht. Sie eignen sich auch nicht als mobile Spielzeuge, weil es sich ja um ganze, wachsende Welten handelt. Früher galt das vor allem für die bei Jungs obligate Autorennbahn, inzwischen für immer mehr Spielsachen. Und der zweite Punkt: Wenn ein System darauf angelegt ist, dass es durch Zukäufe immer vielfältiger wird, ist kaum mehr Fantasie gefragt. Das, was man noch nicht hat, kauft man sich dazu, Improvisation ist unnötig.

Natürlich wäre es im Jahr 2018 etwas vermessen, eine Rückkehr zu den Zeiten zu verlangen, als man aus Steinen, Holz und Gräsern Spielhäuser baute. Allerdings sind angesichts der erweiterbaren Spielwelten eigene Materialien ganz generell kaum mehr gefragt, nicht mal als Zusatz. Barbie nimmt man kaum zum Spielen ins Flussbett, der Ambulanzwagen gehört nicht auf die Quartierstrasse, sondern in die Parkgarage des Krankenhauses – Spielzeug wird statischer. Und je verführerischer das Spielzeug ist, desto mehr breitet sich diese statische Haltung auf seine Besitzer aus: die Kinder.

Dazu kommt natürlich der digitale Wandel und die Welt der Spielkonsolen. Vom Strom abhängig sind längst nicht mehr nur die Erwachsenen. Der Kampf um die letzte freie Steckdose im Haus entbrennt, weil sämtliche Smartphones, Tablets und Nintendos einen Platz finden müssen.

Alles vorgefertigt

Natürlich lässt die Spielzeugindustrie auch den Aussenraum nicht unbeachtet, es gibt auch hier ein vielfältiges Angebot an immer neuem Spielzeug. Aber auch dort wird klar, dass es nicht darum geht, das freie Spiel in der Natur zu fördern. So gibt es beispielsweise Holzrinnen, die zu Bahnen zusammengebaut werden können, zum Beispiel für Murmeln, aber auch für das Spiel an einem Bach oder Fluss. Auf die Idee, eine Wasserrinne aus vorgefertigten Elementen zu bauen, wären wir selbst als Kinder wohl nie gekommen. Dafür bietet die Natur nun wirklich mehr als genug Rohmaterial. Und wer schleppt eine Ladung Holzelemente auf den Sonntagsspaziergang?

Interessant in diesem Zusammenhang: Fragt man Kinder, wie sie ihre Freizeit am liebsten verbringen, nennen sie oft zualleroberst Aktivitäten im Freien. Studien belegen aber, dass die Wirklichkeit anders aussieht. Im Zweifelsfall sitzt man lieber vor dem Fernseher als Freunde zu treffen – und Letzteres ist die mit Abstand am meisten genannte Lieblingsbeschäftigung in Befragungen. Dabei ist anzunehmen, dass die Kinder keineswegs lügen, wenn sie das sagen. Sie nehmen vielleicht den TV-Konsum eher als nebensächlich wahr und erleben die Zeit mit Freunden intensiver – und glauben entsprechend, sie nehme mehr Raum ein.

Der Spielzeug- und Medienindustrie ist kein Vorwurf zu machen, sie erfüllt einfach die Nachfrage (und weckt sie gelegentlich, aber auch das ist die Aufgabe eines Unternehmens). Entscheidend ist ja auch nicht, wie das Angebot aussieht, sondern wie man mit diesem umgeht. Und dabei spielen Eltern eine entscheidende Rolle. Es gibt einen Cartoon, der derzeit via Soziale Medien verbreitet wird. Zwei Mütter sitzen auf einer Parkbank, eine liest ein Buch, ihr Kind ebenfalls. Die zweite Mutter ist mit dem Smartphone beschäftigt, ebenso ihr Kind. Mit einem verwunderten Blick zur Seite fragt die Mutter mit dem Smartphone: «Wie bringen Sie Ihr Kind dazu, ein Buch zu lesen?»

Text von Stefan Millius

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